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Hospiz am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach (EVK) - stationäres Hospiz am EVK
Erfahrungsberichte
Erfahrungsvberichte Hospiz am EVK in Bergisch Gladbach

Erfahrungsberichte

Das Leben im Hospiz ist für alle Beteiligten - Gäste, Mitarbeiter, Ehrenamtler, Ärzte und Angehörige - auch mit besonderen und erinnerungswürdigen Momenten und Erlebnissen verbunden. Auf dieser Seite teilen einige Menschen ihre Erfahrungen.

Janine Winkelman
Janine Winkelmann

Ein letzter Moment

Es war September, als Herr W. bei uns einzog. Ein wenig zurückhaltend, jedoch dankbar über die Möglichkeit, bei uns seinen letzten Lebensweg zu gehen.

Nur anhand seines Rollators war zu erkennen, dass er schwer krank war. Schnell zeigte sich, dass Herr W. seinen ganz eigenen Kopf hatte. Nicht nur er zog bei uns ein, sondern auch diverse Haushaltsartikel, die uns bis dato noch fehlten und er immer wieder von zu Hause mitbrachte, wenn er mal wieder einen Ausflug machte. Es war immer eine Freude, ihn zu sehen, wie er mit seinem elektrischen Rollstuhl auf Tour ging. Er hatte sehr liebenswürdige Ecken und Kanten.

Mit jedem Monat, welchen er bei uns verbrachte, baute er körperlich ein wenig mehr ab. Er freundete sich immer schnell mit den anderen Gästen an, da er es besonders mochte, seine Zeit im Wohnzimmer zu verbringen und andere Menschen dort zu treffen. Viele persönliche Gespräche haben wir geführt. Er war mir sehr ans Herz gewachsen. Heiligabend, er war immer noch mobil und kam ins Wohnzimmer, verabschiedete ich mich von ihm mit den Worten: „Wir sehen uns übermorgen wieder!“ Er schmiegte seinen Kopf an meine Seite, schaute mich an, aber sagte nichts weiter außer: „Das ist noch eine lange Zeit ...“. Als ich zwei Tage später zum Frühdienst kam, hatte er sich kurz zuvor auf seine letzte Reise begeben. Er hatte sich Heiligabend von mir verabschiedet, ohne dass ich es bemerkt habe.

Adina Bunea
Dr. Adina Bunea

Jeder Abschied ist anders

Es ist eine dankbare und erfüllende Arbeit, Menschen am Lebensende Angst und Schmerz zu nehmen und einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Dies ist nur in einem gut funktionierenden Team zu bewältigen, in dem ein respektvolles Miteinander neben den nötigen Fachkenntnissen wichtige Voraussetzungen sind. All das findet sich beim eingespielten Team im Hospiz am EVK. Ob Pflegepersonal, Sozialer Dienst, Seelsorge oder hauswirtschaftliche Versorgung, Ehrenamt und betreuende Ärzte; wir alle sind Teil des Gefüges, welches das große Ganze ergibt. Es ist eine Gemeinschaft, in deren Mittelpunkt die Gäste stehen.

Jeder Gast begegnet diesem Lebensabschnitt auf eine seine individuelle Weise. Jeder Angehörige nimmt auf seine Weise Abschied. Die Holzherzen sind oft eine Verbindung, die bleibt, auch nachdem jemand gegangen ist. Es ist wichtig, neben der notwendigen Symptombehandlung auf die Bedürfnisse und Wünsche jedes Einzelnen einzugehen. Einige möchten viel von ihrem Leben preisgeben, manche haben Angst und ziehen sich zurück, einige lehnen den Gedanken des nahenden Endes ab, andere wiederum nehmen das Schicksal an.

Ich denke dabei an den Herren, der erst nach dem Geburtstag der Tochter gehen konnte, den Großvater, der noch von den Enkeln Abschied nehmen wollte, oder den Mann, der mich zum Abschied bat, den Mundschutz abzunehmen ...

Steine
Felix Krosely, Krankenpflegeschüler

Hospiz - eine Lebenserfahrung

Als Krankenpflegeschüler einen Einsatz im Hospiz zu haben, klang zunächst einmal exotisch, denn im Krankenhaus tragen wir tagtäglich dazu bei, dass die Menschen schnellstmöglich wieder gesund werden und das Krankenhaus wieder verlassen können.

Im Hospiz konnte ich mich jedoch in aller Ruhe um die Gäste kümmern und sie menschlich und würdevoll pflegen. Dabei standen die individuellen Bedürfnisse der Gäste an erster Stelle. Außerdem konnten Wünsche der Gäste erfüllt werden und ihnen somit eine große Freude bereitet werden.

Auch hatte ich die Möglichkeit, die Kollegen bei der Pflege sterbender Menschen in der finalen Phase zu unterstützen und auch nach dem Tod der Gäste dafür zu sorgen, dass die Angehörigen sich von dem Verstorbenen verabschieden können. Ich bin nach jedem Dienst mit dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, in den Feierabend gegangen.

Das Hospiz war für mich eine ganz besondere Erfahrung in meinem Leben, die ich nicht mehr missen möchte.

Dr. Ralph Laske
Dr. Ralph Laske

Eine erfüllende Aufgabe

Gerne möchte ich von meinen Erfahrungen als Arzt in der Hospizarbeit berichten. Das Hospiz am EVK existiert nun schon seit Januar 2020. Mit Kollegen teile ich mir die medizinische Versorgung der Hospizgäste. Wir als Ärzte sind in der glücklichen Lage, mit einem sehr kompetenten und engagierten Team vor Ort zusammen arbeiten zu dürfen. Man kann sich in jeder Situation auf die Expertise der Pflegekräfte verlassen. Nur so ist es möglich, als Team die uns anvertrauten Gäste auf ihrem letzten Lebensabschnitt bestmöglich zu begleiten.

Auch wenn es befremdlich klingen mag, ist es eine sehr dankbare Aufgabe, Menschen in dieser Situation medizinisch und menschlich versorgen zu dürfen. Mit Mitteln der modernen Medizin gelingt es uns, Leid und Schmerzen zu lindern. Es bedarf aber auch vieler Gespräche, um Angst und Unsicherheit abzubauen, gegen die es keine Medikamente gibt. Wir sind bemüht, immer auf die individuellen Bedürfnisse, Sorgen und Nöte der Gäste einzugehen und sie so bestmöglich zu behandeln.

Ich empfinde die Arbeit im Hospiz als sehr erfüllend. Man lernt stets auch für sich und sein eigenes Leben dazu und der Erfahrungsschatz erweitert sich ungemein. Sterben gehört zum Leben dazu, so wie jeder anders lebt, stirbt auch jeder auf seine eigene Weise. Deshalb gilt es, sich auf jeden Gast individuell einzustellen und nicht nur die Krankheit, sondern seine Individualität, sein Umfeld, seine Familie etc. mit in die Betreuung einzubeziehen.

Unsere Region darf sich glücklich schätzen, mit dem Hospiz am EVK eine wichtige Versorgungslücke geschlossen zu haben. So arbeiten wir weiter gemeinsam als Team an der Verwirklichung des Zieles: Leben bis zuletzt.

Horst S.
Horst S.

Dankbar, hier zu sein

Seit einigen Wochen wohne ich im Hospiz. Der Umzug in meine neue Heimat ist mir nicht leichtgefallen. Aber ein Alleinleben war wegen meiner Krankheiten nicht mehr möglich. Im Krankenhaus hatte mir ein Arzt das Hospiz am EVK vorgeschlagen.

Ehrlich gesagt hatte ich mir noch nie Gedanken über ein Hospiz gemacht. Heute weiß ich, dass an diesem Ort Menschen, die hier freundlich „Gast“ genannt werden, ihre letzte Zeit des Lebens verbringen. Als mir diese Tatsache erstmalig zum Bewusstsein kam, war ich in einem Zustand des Nicht-wahr-haben-Wollens, des Verdrängens. Ich überlegte, ob ich zu einem weniger endgültigen Platz wechseln sollte.

Ich kann sagen, dass man mich mit meinen Sorgen ernst genommen hat und mir nichts aus- oder schönreden wollte. Man riet mir nur, nichts Übereiltes zu entscheiden. Inzwischen will ich nicht mehr wechseln. Mein Zimmer ist gemütlich, hell und modern, wie die gesamte Hospizeinrichtung.

Aber das Beste ist die fürsorgliche Pflege und Betreuung durch alle Mitarbeiter. Speziell palliativ ausgebildete Pflegekräfte versorgen mich ausgesprochen professionell, aber gleichzeitig geduldig und mit großem Einfühlungsvermögen.

Beim Essen, welches liebevoll zubereitet wird, geht man auf besondere Wünsche ein. Und zu den Feiertagen gab es jedes Mal passende Überraschungen, an denen sogar die Kinder einiger Hospiz-Mitarbeiter mithalfen.

Kurz: Ich bin im Hospiz angekommen, in jeder Beziehung. Und ich bin dankbar, dass ich hier sein darf.

Steine
Iris Schlagheck-Weber

Ein würdevoller Abschied

Nach einer austherapierten Parkinson-Erkrankung, mehreren schweren Stürzen und seiner Aussage, dass er am Ende sei und keine Kraft mehr habe, war für uns als Familie im Corona-Frühling 2020 klar, dass mein Vater nicht mehr zu Hause betreut werden konnte. Genauso groß war jedoch unsere Verunsicherung. Im Krankenhaus hätte man nichts mehr für ihn tun können und er wäre dort pandemiebedingt komplett isoliert gewesen. Das wollten wir nicht. Umso größer war die Erleichterung, als das Hospiz am Evangelischen Krankenhaus uns zusagte, ihn aufzunehmen.

Er hat seine letzten Wochen in einem wunderschönen Zimmer mit Blick ins Grüne verbracht, umgeben von stets freundlichem und aufmerksamem Personal. Besuche waren jederzeit erlaubt. Acht Tage vor seinem Tod sagte ich ihm, dass er nach Hause könne, wenn er wolle. Er verneinte jedoch und sagte, er fühle sich wohl und gut umsorgt. Dies gab mir eine große Ruhe.

Gestorben ist er friedlich, schmerzfrei und würdevoll. Vor dem Eintreffen des Bestatters hatte ihn das Hospizpersonal gewaschen, umgezogen und mit Rosenblättern bedeckt, auf seinem Nachttisch standen eine brennende Kerze, ein Kreuz und die Fotos seiner Enkelkinder, die er sehr geliebt hat und mit denen er bis zum Beginn seiner grausamen Krankheit so viel Spaß hatte. Für meine Mutter, seine Jugendliebe, und mich als anwesende Angehörige war dieser letzte Moment sehr tröstlich, zumal auch die Mitarbeitenden nacheinander noch einmal in das Zimmer kamen und uns ihr Beileid aussprachen.

Für uns als Familie war bereits lange schmerzvoll klar gewesen, dass wir meinen Vater gehen lassen müssten, aber der Aufenthalt im Hospiz am Evangelischen Krankenhaus hat gezeigt, dass es auch einen entspannten und fast schon angstfreien Abschied geben kann. Besonders angetan waren wir von der Tatsache, dass die Bewohner als Gäste und nicht als Patienten bezeichnet und betrachtet werden.

Stellvertretend für meine gesamte Familie möchte ich auch heute, ein Jahr nach dem Tod meines Vaters, noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an das Hospiz-Team und den betreuenden Palliativmediziner Dr. Laske richten. Sie alle haben uns den Abschied erleichtert und gezeigt, dass es im Hospiz weniger um das Sterben als um „leben bis zuletzt“ geht.

Iris Schlagheck-Weber, im Sommer 2021